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Die Stuttgarter Kanzleien der „Kooperation Sportrecht“ und der Richard Boorberg Verlag hatten zum zweiten Stuttgarter Sportgespräch in das „SpOrt – Haus des Sports“ eingeladen. Von Seiten des IDIS nahm Frau Perrine Snicinski teil. Hier Ihre Eindrücke:
Dr. Marius Breucker begrüßte die rund 250 Gäste zum Gespräch mit dem Motto “Durchbruch oder Scheingefecht?; Neue Wege im Antidopingkampf”.
Dr. Christoph Wüterich gab eine thematische Einführung, in der er positive und weniger erfreuliche Entwicklungen im Antidopingkampf gegenüber stellte.
Als Podiumsgäste konnten begrüßt werden
•die Sportbürgermeisterin Frau Dr. Susanne Eisenmann,
•Herr Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB
•Professor Dr. Ulrich Haas, Professor an der Universität Zürich und maßgeblich Beteiligter an der Neufassung des Welt Anti-Doping Codes
•die Radprofis Patrick Sinkewitz und Jörg Jaksche.
Die Moderation übernahm der Sportchef des SWR-Hörfunk Herr Dr. Wagner.

v.l.n.r. Dr. Susanne Eisenmann, Prof. Dr. Ulrich Haas, Dr. Dr. h.c. Michael Vesper
Die Stuttgarter Sportbürgermeisterin berichtete über ihre Erfahrung mit der Ausrichtung des Radweltmeisterschaft in Stuttgart. Sie sei vom Verhalten der Radverbände UCI und BDR enttäuscht gewesen. Der Sport dürfe sich auch nicht hinter seiner Autonomie „verschanzen“, denn wer Fördergelder des Staates bekomme, müsse sich auch gefallen lassen, dass der Staat im Anti-Dopingkampf mitrede.
Dr. Michael Vesper forderte, auch Wettkampf-Kontrollen sollten von einer unabhängigen Instanz, wie NADA oder WADA, durchgeführt werden. Hiergegen wendete Dr. Haas ein, dass der NADA dafür mehr Mittel zur Verfügung stehen müssten. Auch so genannte intelligente Kontrollen, wie sie oftmals gefordert werden, sind extrem kostenintensiv – man stelle sich nur vor, wie man Sportler im Höhentrainingslager in Kenia kontrollieren soll. In diesem Zusammenhang sprach Haas von der Kronzeugen-Regelung im Anti-Doping Kampf als einem „Hilferuf“ der Verbände, die einfach nicht anders an diese zusätzlichen Informationen heran kämen – zahlreiche „Dopingsünder“ seien im Zuge planmäßiger Kontrollen nie positiv getestet worden. Zudem kann die Regelung zu eine Verkürzung des Prozesses führen. Der Generaldirektor des DOSB betonte, dass in jüngster Zeit zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht worden seien. So bündele die Nationale Anti-Doping Agentur ihre Tests nun in Pools für unterschiedliche Gefährdungsgruppen, um zielgerichtet in besonders gefährdeten Sportarten zu testen.
Dr. Ulrich Haas schilderte die Neuerungen des neuen WADA Codes. Der Code von 2003 sei von vielen Kompromissen geprägt gewesen, die eine Überarbeitung jetzt notwendig machten. So mussten 2007 beispielsweise Lücken nachgebessert, die Strafen flexibilisiert werden, um besser zwischen gerechter Strafe und unangemessen harter Dopingsperre zu balancieren. Man kann nun mit dem Strafmaß sowohl über als auch unter die 2 Jahres-Grenze gehen. Das Mindeststrafmaß wurde auf 1 Jahr festgesetzt. Zudem wird ein höherer Standard der Harmonisierung angestrebt, auch der Staat müsse eine komplementäre Stellung einnehmen. Die UNESCO-Konvention soll von allen WADA-Staaten angenommen werden und Großereignisse nur an diese Staaten vergeben werden. Allerdings wird der neue Code erst 2009 in Kraft treten, denn zum einen finden 2008 die Olympischen Sommerspiele statt, zum anderen gibt es ein logistisches Problem, da alle anderen Regelwerke auch an den neuen Code angepasst werden müssen.

v.l.n.r. Patrick Sinkewitz, Jörg Jaksche, Moderator Dr. Andreas Wagner
Die gesperrten Radprofis Patrick Sinkewitz und Jörg Jaksche berichteten über ihre schwierige Situation als „Kronzeugen“. Sie gaben ihrer Enttäuschung Ausdruck über die mangelnde Unterstützung der Kronzeugen – die Radsportverbände UCI und BDR hatten Berufung gegen ihre, dank Kronzeugenregelung, einjährigen Sperren eingelegt. Sie könnten sich dies nur damit erklären, dass man keine Kronzeugen wolle.
Fazit dieses Abends:
Doping ist nicht nur ein Problem der Sportler, sondern auch eines der Gesellschaft. Prävention in jungem Alter ist wichtig, aber deren Effektivität wird zumindest von den anwesenden „Dopingsündern“ bezweifelt. Es muss von Verbänden und vor allem auch von den Großsponsoren und Medien dafür Sorge getragen werden, dass der Sport wieder zu seinen ursprünglichen Idealen findet. Es darf keinen Grund mehr geben, der da heißt: Die anderen dopen ja auch.
Am Ende der anschließend folgenden intensiven Diskussion erhielten die Referenten die traditionellen Trikots des „Stuttgarter Sportgesprächs“ mit ihren Namenszügen, bevor die Gespräche auf einem Empfang im Foyer im Haus des Sports fortgesetzt wurden.
Perrine Snicinski