Internationale Fachkonferenz

Datum: 6. – 8. April 2017
Ort: Lausanne, Schweiz

Internationale Fachkonferenz

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr und Ankündigung im 10-jährigen Jubeljahr. Das 10-jährige Jubeljahr feiern wir mit einer Veranstaltungsreihe, die bei der internationalen Konferenz in Zusammenarbeit mit der AIJA beginnt und ihren Höhepunkt beim Sportrechtstag 7.10 im November findet. Hier finden Sie das Programm sowie Impressionen von der Konferenz, die vom 6. bis 8. April 2017 in Lausanne stattfand.


Stadionverbote im internationalen Vergleich

Datum: 3. Februar 2012
Ort: Red Bull Arena Business Lounge, Leipzig

Programm

Internationale Konferenz - „Stadionverbote im internationalen Vergleich“

Wer kennt sie nicht, die Bilder sinnloser Gewalt in Fußballstadien. Nach dem Spiel des 1. FC Köln gegen den FC Bayern München schlugen Mitglieder der Kölner Ultragruppe „Wilde Horde“ einen Beamten brutal zusammen und hörten auch nicht auf, als dieser schon am Boden lag. Zuletzt kam es zu Ausschreitungen im Pokalspiel von Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden. Derartige Gewaltexzesse sind nicht nur in Köln, Dortmund oder Dresden zu beobachten, gewaltbereite Fußballfans machen quer durch die Republik in allen Spielklassen Schlagzeilen. Jedoch ist dieses Phänomen nicht allein ein deutsches.

Am 06.12.2010, also wenige Tage nach der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an Russland im Jahre 2018, wurde der Sparta-Moskau-Anhänger Jegor Swiridow von einem vermutlich aus dem Kaukasus stammenden Fußballfan erschossen. Wegen der andauernden Hooligan-Gewalt hatte Polens Premier Tusk sogar mit einer Absage der Europameisterschaft im Fußball 2012 gedroht.

Zur Bekämpfung der Gewalt werden u.a. die Störer aus den Fußballstadien verbannt. Die rechtliche Praxis der Erteilung von Stadionverboten wurde in Deutschland mit Urteil des Bundesgerichtshofes vom 30.10.2009, Az.: 5 ZR 263/08, bestätigt. Ob jedoch Stadionverbote in der jetzigen Praxis tatsächlich ein geeignetes Mittel sind, das Gewaltphänomen in den Griff zu bekommen, ist weiterhin offen.

Im Hinblick darauf nahm sich die internationale Konferenz des Instituts für Deutsches und Internationales Sportrecht am 03.02.2012 in Leipzig der Analyse der Stadionverbotspraxis und deren Auswirkungen in verschiedenen europäischen Ländern an. Dabei interessierte insbesondere die Frage, ob und wie die nationalen Stadionverbote bei europäischen Wettbewerben durchgesetzt werden. Hierzu hatte das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht Vertreter aus verschiedenen europäischen Fußballverbänden eingeladen, um die dortige Stadionverbotspraxis darzustellen. Abschließend wurden die Länderberichte sowie die europäischen Implikationen im Rahmen einer Podiumsdisskussion erörtert.

Gewaltausschreitungen bei Sport(groß)veranstaltungen, insbesondere im Fußball, sind ein internationales Problem. Zur Bekämpfung der Gewalt wird den Störern der Zugang zum Stadion verwehrt. Ob jedoch Stadionverbote in der jetzigen Praxis tatsächlich ein geeignetes Mittel sind, das Gewaltphänomen in den Griff zu bekommen, ist offen.

Das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht veranstaltete am 03.02.2012 in Leipzig eine internationale Konferenz zum Thema „Stadionverbote im internationalen Vergleich“. Die Tagung widmete sich der Analyse der Stadionverbotspraxis und deren Auswirkungen in verschiedenen europäischen Ländern. Vor dem Hintergrund der Europameisterschaft im Fußball 2012 in Polen und der Ukraine interessierte insbesondere die Frage, ob und wie die nationalen Stadionverbote bei europäischen Wettbewerben durchgesetzt werden. Im Hinblick darauf absolvierten wir folgendes

Programm:

08.45 Uhr Eintreffen der Teilnehmer

Begrüßung/Einführung
09:15 Uhr Dr. Sven Nagel, LL.M.Eur.
Vorstand IDIS, Rechtsanwalt, Leipzig

Länderberichte
09:30 Uhr Julien Van Belle – Belgien
Sekretär im Ministerium des Innern,
Generaldirektion Sicherheits- und Präventionspolitik,
Brüssel
10:15 Uhr Luca Ferrari – Italien
Rechtsanwalt, Padua
11:00 Uhr Kaffeepause
11:15 Uhr Peter Coenen – Niederlande
Jurist, LL.M., Universität Luzern
12:00 Uhr Claudius Schäfer – Schweiz
Geschäftsführer der Schweizer Fußball – Liga, Bern
12:45 Uhr Stehlunch
13.30 Uhr Hendrik Große Lefert – Deutschland
Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB),
Frankfurt/Main
14.15 Uhr Dr. Aliaksandr Danilevich – Ukraine/Russland
Rechtsanwalt, Minsk
15:00 Uhr Kaffeepause
15:15 Uhr Lukasz Wachowski – Polen
Jurist, Polnischer Fußballverband Rechtsabteilung, Warschau
16:00 Uhr Prof. Dr. Andrzej Szwarc – Polen
Adam–Mickiewicz-Universität, Poznan
Podiumsdiskussion
16:45 Uhr Friedrich Martens
FIFA Delegierter
Manager Competition Analysis, FIFA EWS
M.A. Economics, Cultural Sciences and Law, Zürich
17.15 Uhr Moderation: Herbert Fischer-Solms
Michael Gabriel (KOS)
Prof. Dr. Gunter Gebauer (Freie Universität Berlin)
Monika Lazar (MdB)
Dr. Rico Kauerhof (IDIS)
Schlusswort
18.15 Uhr Mirko Zebisch
Vorstand IDIS, Rechtsanwalt, Leipzig
Simultanübersetzung deutsch/englisch
ab 19:30 Uhr Geselliges Beisammensein – Selbstzahler

Impressionen


Mechanisches Doping

Datum: 1. Februar 2008
Ort: MEDICA-Klinik, Leipzig

Workshop "Mechanisches Doping"

Der Workshop fand erstmals 01. Februar 2008 in den Räumen der Medica-Klinik statt.

Einführend erläuterte Dr. Sven Nagel den Fall “Oscar Pistorius”. Am 14.01.2008 erhielt der Leichtathlet Pistorius keine Starterlaubnis für die Olympischen Spiele in Peking. Die Prothesen des Unterschenkelamputierten sollen eine zu große Hilfe sein. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF berief sich in seinem Grundsatzurteil auf ein 30-seitiges Gutachten von Prof. Dr. Brüggemann von der Sporthochschule Köln, dass nach ausgiebiger Untersuchung des Sprinters zu dem Schluß gekommen war, daß sich der Paraolympics-Gewinner durch die hochtechnologisierten Carbonprothesen einen zu großen Vorteil verschafft hätte. Laut IAAF-Regel 144.2 dürfen Behinderte mit künstlichen Hilfsmitteln nicht zu offiziellen Wettbewerben der Nichtbehinderten antreten.

Man beschrieb den Unterschied als den zwischen einem Fahrrad mit und ohne Gangschaltung. Pistorius möchte gegen diese Entscheidung Rechtsmittel vor dem internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) einlegen. Er sieht sich in der Verantwortung, für sich und alle behinderten Athleten die Entscheidung auf dem höchsten Level zu suchen. Sein Manager äußerte zudem Zweifel an den Ergebnissen der Studie. Er ist der Auffassung, es seien nicht genügend Faktoren berücksichtigt worden.

Es ist daher nur folgerichtig, daß sich das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht mit dieser Thematik befaßt.

Im Zusammenhang mit dem Fall Pistorius kam es zum ersten Mal der Begriff des mechanischen oder „Techno-Dopings“ auf. Der Workshop sollte helfen, dieses noch unergründete Gebiet zu erschließen.

v.l.n.r. Mirko Zebisch, Prof. Dr. Wolfgang Schild, Gotthard Neubert, Dr. Sven Nagel

Zunächst versuchte Dr. Wolfgang Schild von der Universität Bielefeld die Frage „Wann kann man von Techno-Doping sprechen?“ zu beantworten. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass nach der derzeitigen Definition ein mechanisches Doping nicht erfasst wird. Problematische seien dabei vor allem solche Prothesen, die, wie im Fall Pistorius, nicht im Alltag verwendet werden können. Die Abgrenzung ist schwierig, unklar worauf abgestellt werden soll – die konkrete Fähigkeit der Prothesen oder eine Gesamtbetrachtung?

„Hier besteht Reglungsbedarf bei den Verbänden, auch bei denen des Behindertensports, eine allgemeine Regel wie Art. 144 IPC reicht nicht aus. Der Begriff „Vorteil“ ist zu ungenau.“

Prof. Dr. Wolfgang Schild

Herr Gotthard Neubert beleuchtete das Problem von der Seite eines erfahrenen Orthopädietechnikmeisters. Die Entwicklung der Orthopädiematerialien sei auch durch den Behindertensport rasant vorangegangen. Er selbst sei vor anderthalb Jahren zum ersten Mal auf die Formulierung „Techno-Doping“ gestoßen und habe sich seitdem viele Gedanken gemacht. Dabei sei er zu dem Schluss gekommen, dass eine technische Manipulation bei Sportgeräten zumindest möglich ist. Die Möglichkeit, Kraft zu speichern sei zwar gering, bei den heutigen geringen Abständen vor allem in den Laufdisziplinen jedoch nicht zu unterschätzen.

Gotthard Neubert

Im Anschluss an die Vorträge der beiden Referenten entstand eine angeregte Diskussion.
Auf die Frage nach dem mechanischen Vorteil einer Prothese sagte Neubert: „Die Prothese allein ist nicht ausschlaggebend, man muss Bedenken, dass deren Nutzer auch viel Kraft aufwenden muss.“ Prof. Schild wendete diesbezüglich ein, dass dies bei Doping anderer Art ebenso sei. Die Frage sei, ob die Verwendung solcher Prothesen nun „Doping, oder nur unfair und verboten“ sei? Er selbst halte es für vertretbar, hier von Doping zu sprechen.

Der Begriff des Techno-Dopings konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, jedoch wurden erste wichtige Schritte getan. IDIS bietet hierzu Weiterbildungen an, um Sportlern und Funktionären das komplzierte Thema weiter näherzubringen.

v.l.n.r. Mirko Zebisch, Gotthard Neubert, Prof. Dr. Wolfgang Schild, Dr. Sven Nagel, Dr. Rico Kauerhof


Rugby Akademie

Datum: 23. Februar 2008
Ort: Rugby-Akademie Sachsen

Vortrag “Haftung im Ehrenamt”

Im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung der Rugby-Akademie Sachsen hat Herr Mirko Zebisch am 23.02.2008 einen Vortrag mit dem Thema “Haftung im Ehrenamt” gehalten.


Gewalt im Stadion

Datum: 8. April 2009
Ort: Kinder- und Jugendzentrum „Die Insel“ (Buttergasse 9, Leipzig)

Workshop "Gewalt im Stadion"

Initiative für gewaltfreien Fußball

Der Politikwissenschaftler Ronny Kauerhof wird in dem Workshop auf die Auswirkungen der Gewalt bei Fußballspielen eingehen. Insbesondere sollen die Kinder die Möglichkeit haben, sich Gedanken über die Realität bei Fußballspielen machen zu können und die Möglichkeit erhalten, diese entfernt vom Stadion in Ruhe zu reflektieren. Als Kontrapunkt wird am Ende der Veranstaltung selbst Fußball gespielt.

Am 8. April 2009 hat das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht einen Workshop im Kinder- und Jugendzentrum „Die Insel“ durchgeführt.

Politikwissenschaftler Ronny Kauerhof hat in seinen Ausführungen zur „Gewalt im Stadion“ das Ziel verfolgt, den teilnehmenden Kindern zwischen 10 und 15 Jahren die Realität in Fußballstadien vor Augen zu führen. Dabei wurde die Schattenseite des Fußballs, Ausschreitungen von Hooligans, mittels Videoausschnitten präsentiert. Über eine Reflektion in der Ruhe fernab des Stadions sollte es den Teilnehmern ermöglicht werden, für sich eine eigene Definition von Gewalt zu finden.

Im Rahmen des Workshops wurde auch der Fragebogen zur aktuellen Studie des Instituts von den Kindern ausgefüllt. In der Untersuchung „Standortbestimmung: Jugendliche Fußballfans“ wird nach Einstiegsvariablen in die Fanszene gesucht. Ebenfalls erforscht werden soll das Verhalten im Stadion sowie altersspezifische Erfahrungen als Zuschauer von Fußballspielen.

Im Mittelpunkt des Workshops stand ebenfalls die Reflektion des eigenen Fandaseins.

Am Ende der Veranstaltung stand ein Fußballspiel der Teilnehmer. Spaß, Freude und Fairness sollten im Spiel einen Kontrapunkt zur Gewalt der Videoausschnitte setzen. Das Ergebnis lautete 2:2 und passend zum Thema des Workshops musste Schiedsrichter nicht ein einziges Foul ahnden.


Fußballfans statt Grobiane!

Datum: 28. April 2009
Ort: Mensa des Sportgymnasiums (Marschnerstr. 30, Leipzig)

Podiumsdiskussion "Fußballfans statt Grobiane!"

Initiative für gewaltfreien Fußball

Jugendhäuser, Schulen und Vereine müssen noch mehr Verantwortung für gewaltfreie Konfliktlösungen übernehmen. Zu diesem Ergebnis kamen am Dienstag die Teilnehmer des Workshops „Fußballfans statt Grobiane“, der vom Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht (IDIS) organisiert wurde. Bei der Veranstaltung im Sportgymnasium referierten Uwe Kilz, Polizeidirektor und Leiter der Prävention der Polizeidirektion aus Dresden sowie Dr. Stefan Remke, Polizeipsychologe der Polizeifachschule Leipzig. Diskutiert wurde neben der aktuellen Situation der Gewaltausschreitungen bei Fußballspielen im ostdeutschen Raum unter besonderer Beachtung der Probleme in Leipzig auch das Gewaltpräventionsprojekt der IDIS an Leipziger Schulen, in Vereinen und Verbänden, welches von dem Politikwissenschaftler Ronny Kauerhof geleitet wird. Rund 50 Leipziger Schüler und Vertreter von regionalen Fußballvereinen sowie Pädagogen aus Leipziger Jugendhäuser nahmen an der Veranstaltung teil.

In einem Punkt waren sich alle Teilnehmer und Referenten des Workshops „Fußballfans statt Grobiane“ einig: Um die ansteigende Gewalt Jugendlicher einzudämmen, müssen Vereine, Polizei, Schulen und Jugendinstitutionen gemeinsam im präventiven Bereich wirksam werden.

Zu diesem Thema organisierte das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht (IDIS) am 28.04.2009 einen Workshop.

Referent war der frühere Abteilungsleiter der Bereitschaftspolizei, Uwe Kilz. Aktuell ist er Polizeidirektor in Dresden und Leiter der Prävention der Polizeidirektion.

Als Zweites referierte im Sportgymnasium Dr. Stefan Remke, Polizeipsychologe in Leipzig.

Die Ursachen der zunehmenden Gewalt in deutschen Fußballstadien sah Uwe Kilz in der Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher, in der Arbeitslosigkeit und der Identitätssuche. Denn diese Altersgruppe will verstärkt öffentlich wahrgenommen werden. Besorgt äußerte sich Uwe Kilz gegenüber den politischen Aktivitäten, die von Seiten der Hooligans ausgehen. Besonders bei ostdeutschen Vereinen gibt es verstärkt Tendenzen ins rechtsextreme wie auch ins linksextreme Milieu. Ursprünglich gewaltfreie Ultras, fanatische Anhänger des Fußballsports, neigen verstärkt zur Gewaltbereitschaft, wie klassische Hooligans. „Sachsen ist eigentlich auf einem guten Weg, die Zusammenarbeit hat jedoch noch Reserven“, gibt sich Uwe Kilz dennoch optimistisch. Besonderes Augenmerk liegt derzeit bei den 14 bis 17 Jährigen. Diese Altersgruppe beinhaltet die stärkste Zunahme an Gewalttaten.

Und genau da versucht Dr. Stefan Remke anzusetzen. Der Polizeipsychologe erklärte  am Beispiel des Projektes „Vertragen statt Schlagen“, wie er in Schulen präventiv mit 12 bis 16 Jährigen zusammenarbeitet. Das seit 1997 bestehende Projekt hat das Anliegen, Schüler für die Aufgaben der Polizei zu sensibilisieren und deren Handeln nachvollziehbar zu machen. Ebenso soll ein richtiges Rechts- bzw. Unrechtsverständnis geschult werden. So erhalten die Jugendlichen nach den insgesamt vier Projektphasen ein viel stärkeres Bewusstsein für Straftaten und deren Folgen. „Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Vereinen, Schulen, Fanprojekten sowie Jugendeinrichtungen sind existenziell notwendig, um diese Probleme in den Griff zubekommen“, betonte Dr. Remke. Die emotional geführte Diskussionsrunde am Ende der Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass der Dialog zwischen den Beteiligten für die Lösung des Problems Gewalt bei Fußballspielen auch in Zukunft fortgesetzt werden muss.   


Viele Vereine - Viel Gewalt?

Datum: 16. September 2009
Ort: Kuppelhalle, Leipziger Volkzeitung (LVZ), Peterssteinweg 19, 04107 LEIPZIG

Programm

Podiumsdiskussion "Viele Vereine - Viel Gewalt?"

Initiative für gewaltfreien Fußball

Nach der Präsentation der Ergebnisse einer Studie der IDIS zum Thema Gewaltbereitschaft wird in einer Podiumsdiskussion erörtert, ob die in Leipzig hinlänglich bekannte Problematik durch das Engagement von Redbull noch verstärkt wird. Diese Frage ist deshalb von besonderer Brisanz, weil die Abschaffung der 50+1 Regelung auf der Agenda von DFB und DFL stehen. Sollte diese Beschränkung tatsächlich fallen, ist der Weg für „Großinvestoren“ auch in anderen Regionen Sachsens und der gesamten Bundesrepublik offen. Insofern können wir in Leipzig derzeit gleichsam eine Pilotentwicklung verfolgen, die richtungsweisend für den zukünftigen kommerziellen Fußball ist. Ob diese Entwicklung – neben anderen Faktoren – zu einer Verschärfung der Gewaltproblematik führt und wie hierauf angemessen reagiert werden kann – diese und andere Fragen werden im Rahmen der Podiumsdiskussion erörtert.

Ein „Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Viele Vereine – Viel Gewalt?“ stellte das Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht (IDIS) am 16.September die ersten Ergebnisse einer Studie zum Thema „Entwicklung von Gewaltbereitschaft bei jugendlichen Fußballfans“ vor.

Dr. Rico Kauerhof (IDIS) präsentiert die Ergebnisse der Studie in der Kuppelhalle der LVZ.

Ein „gewaltiges Interesse“ zeigte sich früh am Eingang.

Nachdem bereits im Rahmen des 1. Leipziger Sportrechtstages im Jahre 2007 über mögliche Ursachen der Gewaltbereitschaft von jugendlichen Fußballfans diskutiert wurde, widmete sich IDIS im vergangenen Jahr intensiv diesem Problem. Neben zahlreichen praktischen Aktivitäten – wie Workshops und Vorträge (u.a. in Jugendhäusern) sowie einer Fanfahrt zum „Filmfest 11mm“ nach Berlin – war die Studie der zentrale Punkt. Die Besonderheit dieser Untersuchung liegt darin, dass ca. 400 (noch) gewaltunauffällige Schüler im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt wurden, um in dieser Gruppe Bedingungen zu finden, unter denen die Jugendlichen eine Gewaltgeneigtheit entwickeln könnten, die sie im Umfelds des Sports ausleben.

Zu den zentralen Ergebnissen der Studie gehören, dass fehlende Ressourcen der Freizeitgestaltung sowie die Arbeitslosigkeit der Eltern nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Wichtigstes messbares Kriterium hingegen war die „erhöhte Regelresistenz“ von Jugendlichen. Die Gruppe, die sich durch Normvorgaben (etwa in der Schule) besonders stark eingeschränkt fühlt, ist signifikant gewaltbereiter als die Vergleichsgruppe, der die Regelanerkennung wesentlich leichter fällt. Allerdings war die Studie nicht darauf angelegt zu klären, ob hier tatsächlich ein Ursachenzusammenhang besteht und woher die verminderte Regelansprechbarkeit  kommt. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, wobei sich die Beantwortung dieser Fragen sicherlich in den schwierigen Gesamtkomplex der Erforschung der Jugendgewalt einreihen muss.

90 Zuhörer verfolgten die Präsentation der Studienergebnisse.

Neben der (wichtigen) Prävention darf jedoch die zweite Schiene der Gewaltbekämpfung – die Repression – nicht vernachlässigt werden. Hier gilt es zunächst, die Mittel des Strafrechts auszuschöpfen. In diesem Zusammenhang sollte jedoch nicht vergessen werden, dass das Strafrecht als „ultima ratio“ lediglich die rechtlichen Grenzen der Gesamtgesellschaft absichert und insofern nur eine beschränkte Wirkung entfalten kann. Dies zumal die Strafverfolgung in der Hand des Staates liegt und damit von den handelnden Akteuren (Verbände und  Vereine) abgekoppelt ist. Im Hinblick darauf sind weitere wirksame Repressionsmittel zu untersuchen, auf die insbesondere die Vereine aktiv einwirken können. Hier schlägt IDIS – neben den Stadionverboten – vor, die Möglichkeit der zivilrechtlichen Verfolgung von Störern – welche durch die Rechtsprechung immer mehr abgesichert wird – konsequenter und systematischer auszuschöpfen. Ein diesbezügliches Pilotprojekt wird noch dieses Jahr gestartet.

Dr. Rico Kauerhof (IDIS)

Im Anschluss daran wurden diese Ergebnisse des IDIS-Projekts sowie aktuelle Entwicklungen im Leipziger Fußball in einer Podiumsdiskussion erörtert. Im Zentrum stand die Frage nach der Zukunft des „Fußballstandortes Ostdeutschland“, wobei im Hinblick auf das Engagement von RedBull die Leipziger Fußballlandschaft im Vordergrund stand.

Podium: (v.l.) Peter Langer (SMI), Prof. Dr. Wolfgang Schild (Universität Bielefeld), Ricardo Schulz (Sprecher Staatsanwaltschaft Leipzig), Winfried Wächter (Ressortleiter Sport LVZ, Moderation), Olaf Marschall, (ehem. Fußballprofi), Günther Diermann (ehem. Aufsichtsratsmitglied von Schalke 04)

Dr. Sven Nagel (IDIS) leitete durch die Veranstaltung.

Besonders warmherzig wurde der ehemalige Leipziger Fußballspieler Olaf Marschall empfangen.

Wortmeldungen zum Abschluss der Veranstaltung

Das Medieninteresse an diesem Thema war groß und beweist die Wichtigkeit und Notwendigkeit solcher Projekte.

Dr. Rico Kauerhof (IDIS) fasst die Ergebnisse für die Fernsehzuschauer des mdr zusammen.

Nach der Podiumsdiskussion: Polizeidirektor Uwe Kilz und Mirko Zebisch (IDIS) im Zwiegespräch.

Mit seiner praktischen Erfahrung als Fußballprofi war Olaf Marschall, der 1978 bis1990 in Leipzig spielte, ein begehrter Interviewpartner.


Rechte und Pflichten der Sportler

Workshop "Rechte und Pflichten der Sportler"

Deutlich verunsichert zeigen sich Spitzenathleten hinsichtlich der ab 1.1.2009 in Kraft getretenen Reglungen des Nada-Codes 2009. Besonders die von der Ein-Stunden-Regel betroffenen Freiheitsrechte und die Handhabung des Adams-Meldesystem zur Doping­bekämpfung sind Punkte über die aus Sportlersicht diskutiert werden muss. „Adams“, das neue Anti-Doping Administration & Management System der Welt-Antidopingagentur (Wada), sorgte in diesem Jahr schon für Aufsehen. 65 belgische Athleten reichten Klage gegen den Antidoping-Code ein, weil er gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Schutz der Privatsphäre) verstoße.

Mit dem vom Institut für Deutsches und Internationales Sportrecht (IDIS) veranstalteten Workshop zum Thema Rechte und Pflichten der Sportler wurde ein erster Schritt gewagt, die Sportler in eine Kommunikation über den Nada-Code einzubeziehen.

In den Räumen des Instituts in Leipzig referierte Dr. Sven Nagel über die rechtlichen Rahmenbedingungen und Grundlagen, der die Sportler und Verbände betreffenden Regelungen.

Die anwesenden Spitzensportler, wie Stefan Herbst und Annett Böhm, und Vertreter der Landessportverbände Sachsen-Anhalt und Nieder­sachsen diskutierten angeregt über Themen wie Athleten​­vereinbarungen. Dabei stand der Athlet als Rechtssubjekt und die Zulässigkeit der mit den Sportlern getroffenen Vereinbarungen im Mittelpunkt.

Die Umsetzung des Nada-Codes 2009 und die Schwierigkeiten, welche für behinderte Athleten aus den neuen Regelungen entstehen, wurde von Kirsten Meier vom Behindertensportverband dargelegt.

Fünf weitere Workshops, die von April bis Juni stattfinden sollen, befinden sich in der Vorbereitungsphase. Der nächste Workshop zum Thema „Management in Vereinen“ wird am 29.04.2009 stattfinden. Die folgenden Workshops beschäftigen sich unter anderem mit Themen wie „Sport und Versicherungen“ sowie „Medizin und Recht“.


Management in Vereinen

Datum: 29. April 2009, 15.00 – 17.00 Uhr
Ort: Seminarraum von IDIS Floßplatz 4, Leipzig

Workshop "Management in Vereinen"

Im Vortrag „Steilvorlage für die Volkswirtschaft – Die strategische Ausrichtung eines Bundesligavereins“, hat Matthias Härzschel aufgezeigt, welche wirtschaftlichen Einflussfaktoren im System Profifußball eine entscheidende Rolle spielen.

Mit vielen Praxisbeispielen (Energie Cottbus, CZ Jena etc.) wurde auf die strategische Zielsetzung von Vereinen eingegangen. Zu diesen Zielen gehören der Bereich der Vereinsmitglieder, die Zuschauer, das Marketing und Merchandising sowie das Internet. In diesem Zusammenhang wurde in einem Exkurs auf nationale und internationale Medienrechte im Sportrechtemarkt eingegangen.

Matthias Härzschel

  • hat Sportmanagement an der Universität Leipzig und Sportökonomie an der European Business School studiert.
  • war unter anderem beim FC Carl Zeiss Jena Geschäftsführer


Praxisprobleme des Sportrechts

Datum: 17. Mai 2009

Workshop "Praxisprobleme des Sportrechts"

Dr. Kauerhof D.E.A. (Paris – Sorbonne) bietet eine Schulung zum Themenbereich Sportrecht an. Trainer und Übungsleiter, die in ihrer täglichen Arbeit mit Sportrechtsproblemen in Berührung kommen können sowie alle Interessierten können an der Schulung teilnehmen und entsprechende Nachweise erwerben.

Inhalt: Die Schulung gibt einen Überblick über den Begriff des Sportrechts und dessen Verständnis in der positiven Rechtswissenschaft. Im Anschluss werden Einzelprobleme in Gruppenarbeit vertiefend erörtert, den Schulungsteilnehmern vorgestellt und diskutiert.

Folgende Fragen werden unter anderem behandelt:

  • Haftet der Trainer für sein fremdnütziges Handeln nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit?
  • Was ist, wenn bei Spielen einer Amateurmannschaft kein Arzt dabei ist. Haftet dann der Trainer?
  • Sonderproblem Nachwuchsspieler: Für welche Tätigkeiten (Baden etc.) braucht der Trainer eine Erlaubnis der Eltern?
  • Problem: Doping und Trainerhaftung!
  • Wer haftet, wenn eine Spieler/Sportler infolge einer Trainings- oder Wettkampfverletzung arbeitsunfähig wird?